Klettergebiet Aus

Namibias Weite, photographer Hasso Gantze

Lage des Klettergebietes Aus

Das Klettergebiet ist benannt nach der einzigen Ortschaft, dem Dorf Aus inmitten der "Ausberge", am Rande des Huib-Plateaus. Aus liegt auf einer Höhe von 1.485 m über dem Meeresspiegel und 125 km östlich der Küstenstadt Lüderitzbucht am Rande der Namibwüste. Im Winter kann es hier empfindlich kalt werden, Winterregen während einer antarktischen Kaltfront gibt es des öfteren. Aus ist einer der wenigen Orte in Namibia, in denen es gelegentlich (ein mal alle zwei bis drei Jahre) schneit. Im Sommer ist es oft staubig und furchtbar heiß.

Übernachtung, Camping, Sicherheit

Als zentraler und idealer Übernachtungspunkt bietet sich die Lodge "Klein Aus Vista", 3 km westlich von Aus, an. Die Lodge "Desert Horse Inn" hat Bungalows, Luxusbungalows stehen in der Schlucht "Eagles Nest". Eine echte Selbstversorger-Berghütte steht in der Geisterschlucht und ein Campingplatz ist ebenfalls vorhanden. Die Lodge ist assoziiert mit den Gondwana-Lodges, jedoch hat sich Piet Swiegers, der Eigentümer, seine Selbstständigkeit bewahrt. Er ist dreisprachig, sehr hilfsbereit und weiß Rat in allen Lebenslagen.

Buchungen:
Klein-Aus Vista / Gondwana Sperrgebiet Rand Park
Postfach 25, 9000 Aus/ Namibia
Tel +264 (0)63 258021 /116
Fax +264 (0)63 258021
ausvista@namibhorses.com
reservations@namibhorses.com

Allgemeine Entwicklung und Geschichte

Aus war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutungslose Farm. Der Baiweg, auf dem der gesamte Personen- und Warenverkehr mit Ochsenwagen durchgeführt wurde, verlief 10 km südlich über Kubub in Richtung Kuibis und Seeheim. Das änderte sich schlagartig mit dem Bau der Südbahn von Lüderitzbucht über Keetmanshooper nach Windhuk 1905-1908. Der Bahnbau begann am 2.3.1906 und am 1.11.1907 wurde die Bahnstrecke zw. Lüderitzbucht und Aus offiziell übergeben. Post- u. Polizeistation wurden von Kubub nach Aus verlegt und der Ort blühte aufgrund der nun strategisch wichtigen Lage schnell auf. Endlich war der Seehafen in der Lüderitzbucht mit dem Inland verbunden.

Alte Bahnverbindung, photographer Hasso Gantze Bahnstrecke bei Aus, photographer Detlev Reimann
Alte Bahnverbindung an der Wasserstelle Garub, Bahnstrecke bei Aus im Sonnenuntergang

Bahnstation Garub, photographer Detlev Reimann Wildpferde bei Garub, photographer Detlev Reimann
Bahnstation Garub, Wildpferde bei Garub

Post, Quelle:? Post, Quelle:?
Post, Quelle:? Post, Quelle:?
Briefe von der ehemaligen Poststation im Bahnhof Garub

1914 erklärte Südafrika Deutsch-Südwestafrika den Krieg, Lüderitzbucht wurde am 18.9.1914 besetzt, alle Einwohner in Internierungslager nach Südafrika abtransportiert. Unter zeitweilig heftigen Gefechten zog sich die zahlenmäßig hoffnungslos unterlegene Kaiserliche Schutztruppe entlang der Bahnlinie zurück. Aus dieser Zeit stammen die Schanzen an den Abhängen von Klein Aus Vista.
Nach den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen dem deutschen Gouverneur T. Seitz u. dem General L. Botha von der Südafrikanischen Union, wurden östlich bei Aus rund 1550 deutsche Kriegsgefangene bis 1919 interniert. Die Grippepedemie von 1918 forderte hier unter Bewachern wie Gefangenen besonders viele Opfer. Insgesamt starben 69 Kriegsgefangene und 60 der Bewacher. Sie alle liegen mit ihren gefallenen Kameraden auf dem sehr gut gepflegten Friedhof von Aus (1,5 km nördlich). Ebenfalls sehenswert sind die Reste des Kriegsgefangenenlagers mit dem Gedenkstein.

Gedenkstein des Kriegsgefangenenlagers (Nationales Denkmal), photographer Hasso Gantze Kriegsgefangene, Staatsarchiv Windhuk
Gedenkstein des Kriegsgefangenenlagers (Nationales Denkmal), Kriegsgefangene (Staatsarchiv Windhuk)

Reste des Gefangenenlager Kleinaus (Nationales Denkmal), photographer Detlev Reimann Aus Friedhof, photographer Detlev Reimann
Reste des Gefangenenlager bei Aus (Nationales Denkmal), Der Friedhof von Aus

restauriertes Kaiser Wilhelm Denkmal, photographer Hasso Gantze
Restauriertes Kaiser Wilhelm Denkmal (Bahnhof Aus)

Die Bahnverbindung nach Lüderitzbucht wurde wegen massiver technischer Mängel um 2000 stillgelegt. Teilweise wurden Gleise neu verlegt, doch immer wieder stoppte der Bahnbau. Bis heute (2012) wurde die Strecke nicht wieder eröffnet.

In Aus gibt es eine Post, Tankstelle mit kl. Laden und das renovierte Bahnhof-Hotel. In der Aus Information am Ortseingang erhält man das Permit für den Besuch des "Dicken Wilhelm" im Sperrgebiet I. Achtung, Quittung verlangen, sonst gibt es Ärger mit dem Naturschutz bei einer Kontrolle. Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die "Wilden Pferde" bei Garub, die man ohne Genehmigung besuchen kann.

Wandermöglichkeiten, Bergsteigerische Entwicklung

Auf der Lodge Klein Aus Vista gibt es zahlreiche gut markierte Wanderwege von bis zu 5 h Länge. Man erhält eine kl. Karte dazu in der Lodge. Auch die Schanzen aus dem I. Weltkrieg können problemlos besichtigt werden. Gab es reichlich Winterregen ist die Blütenpracht der Wüste Anfang September unglaublich.

Blühender Köcherbaum, photographer Hasso Gantze Cyrtanthus herrei auf dem Gipfelplateau des Dicken Wilhelm, photographer Hasso Gantze
Köcherbaum in voller Blüte, Cyrtanthus herrei auf dem Gipfelplateau des Dicken Wilhelm

Etwas ganz Besonderes ist eine Ausfahrt ins Sperrgebiet und die Besteigung des Berges "Dicker Wilhelm", 1505 m hoch (Kostenpflichtiges Permit vorher besorgen!). Dazu ist unbedingt ein Allradfahrzeug erforderlich. Man fährt von Aus die Teerstraße Richtung Lüderitzbucht bis zur Bahnstation Garub. Rechts führt eine Spur (Stein mit Aufschrift "NO ENTRY") entlang der alten deutschen Stichbahn zur Wasserstelle Garub und weiter auf eine Düne östlich des Berges (ca. 1 h). Der Aufstieg führt auf der Ostseite des Berges hinauf, anfangs weglos, dann in eine Rinne mit markantem Pfeiler auf der rechten Seite und verlangt gute Trittsicherheit (I-II UIAA). Nach 1 h gelangt man durch ein kl. Tal zum höchsten Punkt 500 m über der Ebene. Die Aussicht ist schlichtweg grandios über die endlose Weite der Wüste. Auf dem Berg sind viele aus Stein aufgeschichtete Unterstände der Schutztruppe. Während des I. Weltkrieges war hier eine Heliographenstation. Die zahlreiche Hinterlassenschaft gibt Auskunft über die Ess- und Trinkgewohnheiten der Soldaten auf diesem einsamen Posten. Das Gipfelbuch (mit Bibel!) stammt von 1984.

Dicker Wilhelm, photographer Hasso Gantze Links am Kameldornbaum vorbei gerade hoch in die Rinne, photographer Hasso Gantze
Dicker Wilhelm, Links am Kameldornbaum vorbei gerade hoch in die Rinne

Aufstieg zum Dicken Wilhelm, photographer Hasso Gantze Die Stille der Wüste, photographer Hasso Gantze
Aufstieg zum Dicken Wilhelm, Die Stille der Wüste vom Dicken Wilhelm aus

Gipfel des Dicken Wilhelm, photographer Hasso Gantze Unterstand am Gipfel des Dicken Wilhelm, photographer Hasso Gantze
Dicker Wilhelm - Gipfel, Unterstand auf dem Gipfel des Dicken Wilhelm

Klettermöglichkeiten

Eine der ersten Bergbesteigungen war die des "Dicken Wilhelm" 1915, wenn auch aus anderen Motiven. Die markante und nördlich der Staatsstraße gelegene Aus-Nase wurde sicher ebenfalls frühzeitig bestiegen, ernsthaft geklettert wird hier in Aus erst seit 2008. Links oberhalb des Zeltplatzes steht der "Perdeberg" (Pferdeberg). Bisher wurden 4 Routen erschlossen und eingebohrt. Rechts oberhalb der Hütte in der Geisterschlucht steht der Berggeistpfeiler mit bisher 3 Routen. Das ganze Gebiet hat enormes Kletterpotential. Das Gestein ist meist fester Granit, teilweise von Quarzitadern durchzogen. Eine gute Auswahl Keile und Rißklemmen, sowie einige Seilschlingen sollte man mitführen.

==> Beschreibung der Kletterrouten / the climbing routes

Route Marketenderin, photographer Hasso Gantze Route Marketenderin, photographer Hasso Gantze
Die Route Marketenderin (17)

Am Bergeistpfeiler, photographer Hasso Gantze
Am Berggeistpfeiler